Vorgeschichte
Am Wochenende davor war ich mit Heinz und Uwe nochmals “Schleusen fahren” üben. Auf dem Canal de l’Est 4 Schleusen zu Berg, bis zur ersten Wendestelle und wieder zurück. Das Schwierigste war die enge Ein- und Ausfahrt im Hafen von Corre. Unser Männerwochenende war feuchtfröhlich.
Reisebeginn in Corre
Schon vorgewarnt wegen des potenziell hohen Wasserstands reisten wir am Samstag, 6. Juli, bei strömendem Regen in Corre an. Nachdem wir Claudias Bruder trocken mit dem Auto abgeholt hatten, erwies sich das Schiff als so kalt und ungemütlich, dass wir am Abend den Dieselofen einweihten. Trotz zuversichtlicher Wetterprognose erlaubten Wasserstand und Strömung (ca. 4 km/h) die Abfahrt erst am Dienstag. Corre bot aber mehr als nur “Hafenkino”: Am Montag mieteten wir Kajaks und paddelten die Saône stromaufwärts, bis ein querliegender Baum den Weg versperrte. Hier endete für uns die schiffbare Saône.

Wasserstandskontrolle in Cendrecourt
Erste Schleusenerfahrungen
Am Dienstag ging es endlich los. Dank vorherigem Üben im engen Hafenbecken gelang die Ausfahrt auf die Saône mit minimaler Bootshaken-Unterstützung. Bald durften wir unsere erste Schleuse befahren. Das “Schlauchdrehen” benötigte noch Übung, klappte aber zunehmend besser. Unser Tagesziel erreichten wir in Montureux-lès-Baulay – einem kleinen, malerischen, aber etwas verfallenen Anleger.
Am nächsten Tag folgte bei brütender Hitze die Fahrt nach Port-sur-Saône. Die Restaurant-Suche gestaltete sich schwieriger als erwartet: Eine bei Google Maps angezeigte Pizzeria war verriegelt. Nach mehreren Versuchen fanden wir schliesslich ein Restaurant in einem umgebauten englischen Doppeldecker-Bus mit Burgern. Unterwegs sahen wir an einem Brückenpfeiler angeschwemmtes Treibholz, dem wir glücklicherweise auswichen.
Tunnelpassagen und Velotouren
Nach dem Nachtanken des Dieseltanks am Donnerstag ging es nach Seey-sur-Saône. Der Hafen bot wenig Infrastruktur (hauptsächlich Locaboat-Station), aber das nördliche Städtchen erwies sich als herzig und gewerblich intakt. Am Steg untersuchten wir unsere ausgefranste Schiffsschraube bei gutem Licht.
Am Freitag folgte der erste Tunnel (Saint-Albin, 680 m). Als Beleuchtungschef montierte Cyrill alle Scheinwerfer. Der gut beleuchtete Tunnel wurde gemütlich durchfahren, selbst ein “Drängler” brachte uns nicht aus der Ruhe. Im Hafen Port de Savoyeux erhielten wir den Tipp, dass die Werft gute Arbeit leiste. Da es keine Einkaufsmöglichkeiten gab, radelten wir nach Dampierre-sur-Salon. Die Rückfahrt mit OpenStreetMap-Navigation führte über abenteuerliche Feldwege – inklusive Querung eines abgeernteten Kornfelds.
Personalwechsel und Grays Enttäuschung
Am Samstag erfolgte der “Bruderwechsel”: Claudias Bruder trat die Heimreise an, Leifs Bruder Phil kam per Auto. Am Sonntag verlegten wir mit Phils Auto unser Fahrzeug von Corre nach Auxonne. Abends wurde bei der “LEO” das Velo geputzt und der Grill (mittlerweile mit Ersatzteil) eingesetzt.
Am Montag ging es durch einen kurzen Tunnel nach Gray. Die empfohlene kinderfreundliche Anlegestelle vor dem Ort erwies sich als trostlos. Dafür entschädigten feine Süssigkeiten im Ort selbst. Wir fuhren erst am Dienstagnachmittag weiter.
Höhepunkte in Mantoche
Trotz später Abfahrt erreichten wir noch den schönsten Anleger der Reise: Mantoche, direkt vor einem Schloss. In der Capitainerie bestellten wir Gipfeli für den nächsten Morgen. Am folgenden Tag legten wir im heissen Port Saint Pierre an – einem Gemeindeanleger mitten im Nirgendwo. Claudia und Cyrill unternahmen eine Velotour durchs Hinterland, während wir das Wasser genossen.
Am Donnerstag entwickelte sich Leo zum Schleusenprofi und löste die Schleusen aus, während Cyrill am Ruder stand.
Letzte Etappe nach Auxonne
In Lamarche-sur-Saône war der Gemeindeanleger zunächst voll. Nach der Wende fanden wir doch noch Platz, allerdings mit wenig empfehlenswerten Bedingungen: Verdacht auf ungeklärte Abwassereinleitung und kein Schatten. Unser Restaurantversuch scheiterte mangels Reservation, sodass wir nach einstündiger Wartezeit auf Pizza zurückgriffen. Der Ort entschädigte uns am nächsten Morgen mit einer wunderschönen Stimmung.
Am Freitag erreichten wir Auxonne. Trotz fehlender Buchungsbestätigung organisierte der unkomplizierte Hafenmeister einen Liegeplatz für die “LEO”. Auxonne wirkte grösser als erwartet, hatte aber weniger Einwohner als unser Wohnort Rothenburg LU. Abends genossen wir Live-Musik in einem Restaurant.
Abschluss und Rückblick
Am Samstag verliess uns Phil. Wir liessen die Ferien mit Sightseeing und Baden ausklingen. Am Sonntag wurde bei schlechterem Wetter gepackt und geputzt. Rückblickend genossen wir die zwei Wochen sehr: Es war faszinierend, die Saône vom kleinen, unpassierbaren Flüsschen bei Corre zum stattlichen Fluss bei Auxonne werden zu sehen. Bisher trafen wir nur Plaisance-Schiffe – hinter Auxonne beginnt mit der Freycinet-Schleuse die Welt der grossen Schiffe.
Cyrill, Leo, Claudia und Leif